Clubausfahrt in`s Waldviertel
Zeit: Mittwoch, 08. Juli und Donnerstag, 09. Juli 2026
Treffpunkt: Raststation Deutsch-Wagram, 09:00 Uhr
Teilnehmer: Andi, Josef, Ilse und Reini
1. Tag
Die Wetter-App hatte in den Tagen vor der Tour Schwerstarbeit geleistet – leider hauptsächlich damit, ihre Vorhersagen täglich zu ändern. Von Sonnenschein bis Weltuntergang war alles dabei. Also beschlossen wir, das zu tun, was Motorradfahrer seit jeher machen: hinfahren und schauen, was wirklich kommt.
Andi war seinem Ruf wieder einmal gerecht geworden und stand bereits geschniegelt und trocken am Treffpunkt. Vermutlich hätte er auch noch Zeit gehabt, den Parkplatz zu kehren.
Josef ließ sich vom leichten Nieselregen ebenfalls nicht beeindrucken und erschien pünktlich. Ich entschied mich hingegen für die Taktik „Der Regen hört sicher gleich auf“. Das funktionierte erstaunlich gut – ich kam zwar eine Viertelstunde später, dafür aber trocken an.
Die dunklen Wolken wurden inzwischen immer imposanter. Also starteten wir optimistisch – mit der stillen Hoffnung, dass die Regenbekleidung nur unnötiger Ballast bleiben würde. Diese Hoffnung hielt exakt bis Ernstbrunn. Dort begann leichter Regen, und wir veranstalteten den ersten Boxenstopp der Tour. Erfahrungsgemäß gilt nämlich: Sobald alle in der Regenmontur stecken, hört der Regen ohnehin bald wieder auf.
Nach einer kurzen Pause in Hollabrunn war klar: Petrus hatte unsere Planung nicht gelesen. Also ging es weiter im modischen Regen-Outfit.
Am Manhartsberg war der Spuk schließlich vorbei. Der Himmel riss auf, die Regenbekleidung durfte wieder im Koffer verschwinden und die Stimmung stieg schlagartig um mehrere Oktaven. Über Hadersdorf am Kamp und Gars am Kamp erreichten wir endlich jene Straßen, die den eigentlichen Grund für diese Ausfahrt lieferten: Kurven, kaum Verkehr und herrliche Landschaft. Rosenburg, Schmalhoferbigl, Haltersessel, Brentenberg, Hornerwald, Krumau am Kamp, Hollereck, Schöberlberg und schließlich der Stausee Ottenstein reihten sich wie auf einer Perlenkette aneinander.


Auf der Sonnenterrasse am Stausee Ottenstein präsentierte sich das Waldviertel plötzlich von seiner Postkarten-Seite. Blauer Himmel, Sonnenschein und ein herrlicher Ausblick – als hätte es den Regen am Vormittag nie gegeben. Die Regenmontur durfte sich inzwischen im Koffer über ihre kurze Karriere freuen. Nach wenigen Kilometern auf der B37 bogen wir selbstverständlich wieder auf kleine Nebenstraßen ab. Geradeausfahren kann schließlich jeder.
Die letzte Herausforderung war der Weiße Berg, ehe wir im I'M INN Zwettl – Hotel zum Brauhaus einrollten.
Beim Online-Check-in zeigte Andi ungeahnte digitale Talente. Während manche noch den richtigen Knopf suchten, hatte er den elektronischen Hürdenlauf bereits erfolgreich absolviert. Vielleicht bekommt er beim nächsten Mal gleich den Administrator-Zugang. Josef hatte bei der Zimmerbuchung etwas zu lange gezögert und musste daher im Bergwirt & Mohnhotel Quartier beziehen. Man kann eben nicht alles haben – dafür durfte er den Weg zum Abendessen als kleines Aufwärmprogramm genießen.
Wir ließen uns im Gastgarten des Gasthauses Hacker regionale Schmankerl schmecken. Das Zwettler Bier überzeugte auf ganzer Linie. Aus rein wissenschaftlichem Interesse musste natürlich auch ein Budweiser verkostet werden. Das Ergebnis der Blindverkostung bleibt aus Gründen der internationalen Beziehungen unter Verschluss. Den süßen Abschluss – oder den flüssigen Absacker – gab es anschließend im SÜD – Das Café, wo der erste Tour Tag gemütlich ausklang.
2. Tag
Nach einer ausgezeichneten Nachtruhe und einem Frühstück, das keine Wünsche offenließ, starteten wir pünktlich um 09:00 Uhr.
Unsere Anneliese, die ganz in der Nähe ihr Zweitdomizil hat, hatte uns auf einen Kaffee eingeladen. Einem solchen Termin widerspricht man natürlich nicht. Also wurde die Route kurzerhand angepasst. Das Navi durfte lernen, dass Motorradfahrer nicht immer den kürzesten Weg wählen – sondern den schönsten. Über Güterwege und kleinste Nebenstraßen tauchten wir tief ins Waldviertler Hinterland ein. Nach einem gemütlichen Plauscherl verabschiedeten wir uns herzlich und setzten unsere Tour fort.
Mittlerweile hatten wir richtig Gefallen an den kleinen Straßen gefunden. Asphaltbänder, auf denen einem mehr Traktoren als Autos begegnen, sind schließlich genau unser Revier. Natürlich durfte auch der obligatorische Bärnkopf nicht fehlen. Weiter ging es über Pöggstall, Langer Berg mit seinen Spitzkehren, Braunegg, Feistritz, den Jauerling, Hirschenkogel und Gut am Steeg.
Ein paar Kilometer auf der B217 dienten zur Entspannung von Fahrer und Reifen, bevor wir uns erneut ins Kurvenlabyrinth stürzten. Über Kuhberg, Seiber, Sandl und Senftenberg erreichten wir schließlich Gföhl zur wohlverdienten Mittagsrast. Danach führte uns die Strecke über Stackelberg, Ullreichsberg und Reitberg nach Langenlois und weiter durch das Strassertal bis Großweikersdorf.
Bei einem letzten Espresso wurde noch einmal gefachsimpelt, gelacht und die Tour Revue passieren gelassen. Wie immer waren sich am Ende alle einig: Die schönsten Straßen findet man meistens dort, wo das Navi glaubt, man hätte sich verfahren.
Fazit
Eine kleine, aber äußerst gelungene Clubausfahrt mit allem, was dazugehört: wechselhaftem Wetter, unzähligen Kurven, traumhaften Landschaften, -von den Mohnfeldern, Sonnenblumenfeldern über Hopfen Plantagen-, gutem Essen, hervorragendem Bier und bester Gesellschaft.
Der Regen hat zwar versucht mitzuspielen – die Hauptrolle gehörte aber eindeutig dem Fahrspaß.
LG Reini